Einlieferung zur Auktion oder Verkauf an einen Fachhändler?
Sammler, Erben oder Nachlassverwalter mit einer Sammlung von Briefmarken, Münzen oder Orden und Ehrenzeichen stehen meist vor dem Problem, den optimalen Weg der Veräußerung zu finden. Insbesondere Sammlungen oder ganze Nachlässe sind meist nur für Händler interessant. Ein Verkauf an einen Sammler ist daher weniger sinnvoll, weil der Sammler u.U. nur seine Lücken schließen will. Dabei kann es zur Rosinenpickerei einer Sammlung kommen, die mit dem Wegfall der interessanten Stücke fast gar nicht mehr veräußerbar ist.
Sammlungen oder Nachlässe können bei einem Verkauf über eine Auktion in manchen Punkten von Nachteil sein:
1. Das Auktionshaus verdient erst Geld an der Provision, wenn die Sammlung zugeschlagen – also verkauft – wurde. Daher rufen Auktionshäuser Einzelstücke, Sammlungen oder Nachlässe meist sehr günstig aus, damit die Wahrscheinlichkeit eines Zuschlages bzw. Verkaufs größer wird. Auktionshäuser argumentieren oft mit Steigerungsstufen, die aber nicht versprochen bzw. garantiert werden können. Es bleibt daher ein Risiko, ob der gewünschte Preis erzielt werden kann.
2. Das Auktionshaus versteigert die Sammlungen oder Nachlässe nur an wenigen Tagen im Jahr, so dass viele gleichartige Sammlungen in Konkurrenz zueinander stehen können. Meist sind es Händler, die Sammlungen oder ganze Nachlässe kaufen, um diese aufzulösen. Sammler kaufen eher weniger Sammlungen oder ganze Nachlässe. Wenn ein Händler einen Gegenbieter bei einer Sammlung hat, kann es vorkommen, dass er sein Glück bei der nächsten oder übernächsten Sammlung versucht, um nicht in einen Preiskampf zu geraten. So können die in Aussicht gestellten möglichen Steigerungsstufen schnell wegfallen.
3. Der wichtigste Punkt ist aber der Erlös. Auktionen arbeiten mit Provisionen im Verkaufsfall. In der Regel werden dem Einlieferer als Provision ca. 15-25% vom Zuschlagspreis abgezogen. Auf der anderen Seite werden dem Käufer ca. 15-25% Aufgeld an Provision auf den Zuschlagspreis hinzugerechnet. Das ergibt als Beispiel folgende Rechnung mit jeweils 20% Provision für den Einlieferer und Käufer:
Eine Sammlung wird z.B. mit 1.000,00 Euro zur Auktion ausgerufen. Mehrere Händler interessieren sich für die Sammlung. Ein Händler kalkuliert seinen Verkaufspreis der Sammlung z.B. mit 4.000,00 Euro und möchte daher für die Sammlung nicht mehr als 2.000,00 Euro bezahlen. Somit kann der Händler maximal 1.650,00 Euro bieten. Mit 20% Provision kommt man dann auf 1.980,00 Euro. Umsatzsteuer und Versandkosten kommen ggf. auch noch dazu. Die Sammlung wird nun z.B. mit 1.400,00 Euro zugeschlagen. Der Händler bezahlt an das Auktionshaus ca. 1.680,00 Euro incl. 20% Aufgeld. Und was erhält der Einlieferer? Es sind ca. 1.120,00 Euro: 1.400,00 Euro abzüglich 20%. Umsatzsteuer und Versicherung etc. können den Auszahlungsbetrag u.U. noch weiter reduzieren. Der Erlös wird in der Regel erst einige Wochen nach der Auktion ausgezahlt.
Schlimmer kann es noch kommen, wenn kein Gegenbieter da ist. Auktionshäuser können dann mit 10% bis 20% unter Rufpreis zuschlagen. Dann sieht die Rechnung noch schlechter aus: 1.000,00 Euro Ausruf, Zuschlag im Untergebot mit 900,00 Euro und abzüglich 20% Provision macht 720,00 Euro Auszahlungsbetrag. Und der Händler? Dem wäre die Sammlung noch immer 2.000,00 Euro wert gewesen. Hätte man sich ohne Auktionshaus zudem noch in der Mitte bei ca. 1.500,00 Euro geeinigt, wäre es für beide Seiten zum Vorteil gewesen.
Alle oben erläuterten Beispiele im Überblick:
Erst ab einem Zuschlagspreis in Höhe von 2.500,00 Euro läge in diesem Beispiel abzüglich der Provision von 20% der Erlös bei ca. 2.000,00 Euro. Der Käufer müsste ca. 3.000,00 Euro incl. 20% Provision an das Auktionshaus bezahlen.
Abschließend ist zu erwähnen, dass eine Sammlung bzw. Nachlass vollständig oder in Teilen unverkauft bleiben kann. Entweder erhält der Einlieferer die gesamte Sammlung oder die weniger attraktiven – nicht versteigerten – Teile zurück oder bei erneutem Angebot muss dann bis zur nächsten Auktion – ggf. mit reduziertem Rufpreis – teils mehrere Monate gewartet werden. Beim sofortigen Verkauf an einen Händler erhält man das Geld in der Regel bereits bei der Überlassung der gesamten Sammlung.
Daher sollte man sich mit seltenen Einzelstücken, Sammlungen oder ganzen Nachlässen an einen Fachhändler seines Vertrauens wenden, der den Markt samt dem Auktionsgeschehen kennt und einschätzen kann. Seriöse Fachhändler würden dann nämlich auch einen Verkauf über ein Auktion empfehlen, wenn ein Einzelstück oder eine spezialisiere Sammlung dafür durchaus geeignet wären und würde auf Wunsch die gesamte Abwicklung mit Vorschlägen zu Rufpreisen und Limits betreuen.

